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Insgesamt 5 Berichte aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden, die von Josef Disper seiner Zeit zusammengestellt wurden.

Aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden (1)

Auftakt 1947/48 mit zwölf Vereinen

Schnell bei der Hand: Spielverbot, Platzsperre, Punktabzug

Über 30 Jahre alt ist die höchste Klasse des Fußball-Bezirks Wiesbaden. Die damalige Bezirksklasse begann 1947/48 mit zwölf Mannschaften (für die heutigen Verhältnisse unvorstellbar). Neuerdings heißt sie Bezirksliga, zwischenzeitlich firmierte sie auch einmal als II. Amateurliga.

Aus dem Fußballkreis Limburg waren als erste Klubs Elz, Eschhofen, Niederbrechen und Oberbrechen dabei. Trotz des zahlenmäßig kleinen Feldes verlief das erste Jahr äußerst turbulent, besonders für Elz und Oberbrechen. Die Elzer verloren sieben Punkte am grünen Tisch, weil K. Hirschberger gegen Biebrich 02 (3:2), Schierstein 08 (1:0), Niederbrechen (2:1) und Oberbrechen (2:2) ohne ordnungsgemäße Spielgenehmigung mitgewirkt hatte. Die Anzeigen waren von Oestrich sowie Biebrich 02 erstattet worden, den Vorsitz im Rechtsausschuß führte der damalige Bezirksfachwart W. Hach. Zu den Punktverlusten kamen noch eine Geldstrafe von 50 Mark und die Kosten des Verfahrens (20 Mark!). Es war rund einen Monat vor der Währungsreform.

Oberbrechen erhielt nach dem Abbruch gegen Kostheim 12 (0:2) für vier Spieltage Spielverbot und mußte die Punkte an Biebrich 02, Germania Wiesbaden, Schierstein 08 sowie Eschhofen kampflos abgeben.
Nach Beendigung der Saison hatte Oberbrechen 13:31, Elz 12:32 Punkte. Dennoch wurde wegen der zuvor genannten Urteile ein Entscheidungsspiel zwischen beiden Mannschaften an der Wiesbadener Waldstraße (!) angesetzt, das die Elzer 4:1 gewannen. Damit war Oberbrechen als erster und zugleich einziger Absteiger ermittelt.
Eschhofen verlor im gleichen Spieljahr kampflos zwei Zähler, weil die Mannschaft nicht pünktlich in Kostheim angetreten war.
Die Meisterschaft holte sich übrigens der SV Wiesbaden, obwohl er Vor- und Rückspiel gegen den Tabellenzweiten Kostheim 12 verloren hatte. Kostheim andererseits verpaßte die große Chance auf einen Stichkampf um den Titel mit einer fast sensationellen 1:2-Niederlage in Niederbrechen.
Mit Spielverbot, Platzsperre und Punktverlust war man damals schnell bei der Hand. Man ließ bei der Rechtsprechung fünf gerade sein. Und die Vereine fügten sich.
J. D. (Wird fortgesetzt)

Aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden (II)

Aufstiegsrecht für Bezirkspokalsieger

Wechsel des VfR 07 Limburg in FV Rheinland macht Platz frei für Frickhofen

Offensichtlich hatte man 1948 im Bezirksfußballausschuß Wiesbaden erkannt, daß eine Runde mit nur zwölf Mannschaften ein drittes Mal nicht zumutbar gewesen wäre. Die Bezirksklasse wurde deshalb zur Saison 1948/49 auf 15 Teams aufgestockt. Die beiden Letztplazierten der Spielzeit 47/48, Germania und VfR Wiesbaden, brauchten nicht abzusteigen, weil sie die Qualifikationsspiele gegen die A-Klassenzweiten VfR 07 Limburg und Idstein auf neutralen Plätzen gewannen.

Hochheim holte sich als Neuling in sicherer Manier den Titel, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen, die damals noch stattfanden. Eisenbach, gleichfalls Neuling, belegte den neunten Rang. Niederbrechen, Eschhofen und Elz landeten auf den Plätzen 6, 7 und 10.

Apropos Eschhofen: als die Mannschaft damals in Oestrich mit 4:1 gewann, irrte sich der Schiedsrichter in der Uhrzeit und pfiff etwa eine Viertelstunde zu früh ab. Ehe sich der Unparteiische von diesem Irrtum hatte überzeugen lassen, waren die Oestricher Spieler, so schnell sie konnten, „über alle Berge". Die Rheingauer fochten zwar die Spielwertung an, hatten damit aber keinen Erfolg. Übrigens schoß Edgar Roth, 'der Sportkreisvorsitzende, drei der vier Treffer. Es gab lange Debatten um die Rechtslage.

Der nächste Meister (49/50) hieß Opel Rüsselsheim. Die Autostädter hatten sich nicht verkalkuliert, als sie — sicher mit einem gewissen Hintergedanken — den Antrag stellten, in den Bezirk Wiesbaden eingegliedert zu werden. Bei acht Punkten Vorsprung und einem Torverhältnis von 100:33 schafften sie auch den Aufstieg in die damalige Landesliga. Ihren Jubiläumstreffer erzielten sie im letzten Spiel gegen den FCA Niederbrechen 5:3, der bei der Pause noch 3:1 geführt hatte. Oberbrechen war zum zweitenmal (zusammen mit Eltville) aufgestiegen, aber dafür mußte aus dem Kreis Limburg Eschhofen als Letzter (18:38 Punkte) mit dem VfR Wiesbaden (20:36 Punkte) absteigen. Elz war als Sechster bester Lahnverein.
Ein Jahr später (50/51) gab es ein Entscheidungsspiel um den Titel. Germania Wiesbaden gewann gegen Schierstein 08 in Amöneburg sage und schreibe mit 10:2! Für die Landesliga aber reichte es (noch) nicht. Der SV Frickhofen (13:43 Punkte), der an Stelle des auf eigenem Wunsch dem FV Rheinland zugeteilten VfR 07 als Tabellenzweiter hatte aufsteigen dürfen, mußte Eisenbach (12:44, P.) zurück in die A-Klasse begleiten. Dotzheim hatte man als Bezirkspokalsieger „mitgenommen".
Was es nicht alles gab! Heute wäre das unvorstellbar.
1951/52 kehrte der VfR 07 Limburg aus dem FV Rheinland zurück, kam aber über den zehnten Platz nicht hinaus: Camberg war als Aufsteiger erstmals dabei, mußte aber sofort wieder mit dem punktgleichen Schlußlicht Eltville (je 12:52) absteigen. Auch Niederbrechens Stunde hatte geschlagen. 22:42 Punkte waren zu wenig, denn es gab erstmals drei Absteiger. Die Kneippstädter mußten nicht weniger als 157 Gegentore kassieren (genau hundert mehr, als sie selbst geschossen hatten. In Biebrich (3:12) und Kostheim (1:10) gab es sogar zwei zweistellige Niederlagen. Elz belegte mit 32:32 Punkten Rang 9, Oberbrechen landete auf Platz 12 mit 26:38 Punkten. Alle Lahnvereine aber hatten ein negatives Torverhältnis. Es war, wie so oft vor- und nachher, eine schwache Saison der heimischen Klubs.
Nassau Wiesbaden war die Mannschaft des Jahres. In 32 Spielen erzielte der Meister ein Torverhältnis von 120:33. Er hatte in Aufsteiger Kastel den schärfsten Rivalen, aber die Landesliga war für die Mannen um Klemm, Wolf und Migge um eine Nummer zu groß. Erst zwei Jahre später glückte der große Wurf, wenn auch nur für eine Saison. (Wird fortgesetzt)

Aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden (III)

Nur sechs Zähler an TuS Eisenbach

Limburg 07 in der Saison 1952/53 erstmals bester Lahnverein

Der VfR 07 Limburg beendete die Saison 1952/53 der damaligen II. Fußball-Amateurliga Wiesbaden erstmals als bester Lahnverein (4. Platz). Elz (11.) und Oberbrechen (12.) hatten keine nennenswerten Schwierigkeiten, aber Eisenbach mußte als Aufsteiger mit nur 6:54 Punkten und 32:143 Toren sofort wieder in die A-Klasse zurück.

Ein 2:1-Sieg über Biebrich 02 und vier Unentschieden waren die einzige Ausbeute. Im Heimspiel gegen Oestrich (2:3) gab es nach unliebsamen Zwischenfällen ein vorzeitiges Ende. Für die Rheingauer war der Sieg besonders wertvoll, denn dadurch erreichten sie gegen die punktgleiche Spvgg. Rambach ein Entscheidungsspiel um den Klassenverbleib, das in Schierstein mit 4:1 gewonnen wurde.

Germania Wiesbaden aber wurde zum zweiten Male Meister und kam erst 1957/58 wieder von „oben" zurück. Später schaffte der Rekordmeister in seiner vielleicht besten Zeit (mit Adi Böhnel im Tor) sogar den Sprung ins Lager der Profis (2. Liga Süd) — wenn auch nur für ein Jahr.

Im darauffolgenden Jahr holte sich Nassau Wiesbaden wiederum den Titel. Diesmal klappte es mit dem Aufstieg. Die Tordifferenzen hielten sich im Rahmen. Insgesamt wurden nämlich „nur" 776 Treffer erzielt. Elz rutschte nach sieben Jahren eine Etage tiefer; Eschhofen, gerade erst wieder aufgestiegen, erreichte dank eines 3:2-Sieges beim Tabellendritten Rüdesheim in letzter Minute das rettende Ufer. Der VfR 07 belegte nach schwachem Start noch den siebenten Rang. Oberbrechen als Achter hatte die Genugtuung, den Meister (4:3) geschlagen zu haben. Nur noch fünf Mannschaften — nämlich Schierstein 08, Kostheim 12, Oestrich, Biebrich 02 und Geisenheim — behaupteten seit 1947/48 ihren Stammplatz.
Erstmals (1948/49 ausgenommen) brauchte 1954/55 kein Lahnverein abzusteigen. Weil mit nur 14 Mannschaften gespielt wurde, „erwischte" es lediglich Dotzheim. Hochheim scheiterte in den Aufstiegsspielen zum zweitenmal. Der VfR 07 war wiederum Lahnbester (Rang 7 mit 27:25 P.). Eschhofen wurde Achter mit 22:30, die wieder aufgestiegene Niederbrechener Alemannia landete auf Platz 10 mit 21:31 P. 

Aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden (IV)

Torwart H. lmmichs tragischer Tod

Neue Gesichter: L'holzhausen, Dietkirchen, N'selters, Ahlbach

Das Spieljahr 1955/56 der II. Amateurliga (heute Bezirksliga) Wiesbaden machte sogar in der überregionalen Presse Schlagzeilen. Traurige, denn das Derby VfR 07 Limburg — Elz wurde beim Stande von 0:3 abgebrochen, weil im Vorspiel der Reserven der einheimische Torwart Horst Immich einen tödlichen Sportunfall erlitten hatte.

Als die Todesnachricht aus dem Krankenhaus sich in Windeseile auf dem Stephanshügel verbreitete, forderten die Limburger den sofortigen Abbruch, dem der Schiedsrichter auch nachkam. Weil im besagten Vorspiel der Elzer Jirka ohne Spielberechtigung mitgewirkt hatte, gab es für die Westerwälder erneut böse Folgen: Spielverbot für vier Spieltage. Kastel, Niederbrechen, Oberbrechen und Rüdesheim kassierten kampflos die Zähler.
Dennoch belegten die Elzer als Wiederaufsteiger den elften Platz. Der VfR 07 wurde erneut Siebenter. Niederbrechen und Oberbrechen plazierten sich an 12. bzw. 14. Stelle, Eschhofen (16:44 Punkte) mußte zusammen mit Geisenheim (15:45) absteigen. Kastel, der „ewige Zweite", wurde endlich Meister und spielte danach in der Landesliga viele Jahre lang.
 
Mit Lindenholzhausen gab es 1956/57 endlich frisches Blut. Jeweils ein Jahr danach kamen Kettenbach (57/58), Dietkirchen (58/59), Niederselters (59/60) und Ahlbach (60/61) hinzu. Zweistellige Niederlagen gab es in den Anfangsjahren des öfteren, aber ein 15:0 wie 56/57 zwischen Nassau Wiesbaden und Oberbrechen sowie ein 16:1 zwischen Germania Wiesbaden und Elz (57/58) werden sich kaum wiederholen. Außer Lindenholzhausen, das auf Anhieb einen beachtlichen siebenten Platz belegte, konnten noch die SVW-Amateure und — dank der Schutzbestimmungen für Amateure — der Tabellenzweite der Gruppe Wiesbaden/Rheingau, Frauenstein, aufsteigen. Wieder einmal war Oberbrechen (15. Platz / 17:43 Punkte) „dran". Begleitet wurde die Mannschaft von Niederwalluf (15:45 Punkte). 

Aus der Geschichte der Fußball-Bezirksliga Wiesbaden (V)

Dehrns Durchmarsch mit B. Hölzenbein

Später läßt dann der RSV Würges aller guten Dinge drei sein

Der erste Bezirksklassenmeister aus dem Fußballkreis Limburg war der VfR 07 (1963/64). Die Mannschaft brachte das Kunststück fertig, auswärts ohne Niederlage zu bleiben. Nach einer strapaziösen (doppelten) Qualifikationsrunde (gegen Künzell und Jügesheim) glückte auch der Aufstieg.

Beuerbach mußte im zweiten Jahr wieder absteigen. Dietkirchen, seit 58/59 dabei und vorher stets gut in der oberen Hälfte plaziert, belegte diesmal Rang 10. Die Position der anderen Lahnvereine: Ahlbach 8, Beuerbach 15, Elz 5, Eschhofen 9, Niederselters 13, Niederbrechen 14, Neuling Staffel 11.

Einen gravierenden Einschnitt gab es nach Abschluß der Saison 64/65. Wegen der Neueinteilung — Bildung der damaligen Gruppenliga — brauchte kein Verein abzusteigen. Fünf der sechs Erstplazierten wurden der Gruppe Süd zugeteilt: Geisenheim (als Meister), Kostheim, Kastel, Eltville und Dotzheim. Elz, als Tabellenführer, kam in die Gruppe Mitte.

Alle anderen Vereine des Kreises (VfR 19, Dietkirchen. Eschhofen, Ahlbach, Niederselters, Niederbrechen und Staffel — dazu Meister Dehrn und der Tabellenzweite Hadamar, dem ebenfalls das Aufstiegsrecht eingeräumt worden war, spielten zusammen mit Klubs der Kreise Oberlahn, Wetzlar und Dill in der sogenannten Bezirksklasse Mitte I.

Das Gros der Vereine (9) stellte der Kreis Limburg. Dehrn, mit dem jungen Bernd Hölzenbein, war als Neuling nicht zu stoppen, schoß 120:44 Tore, machte 52:20 Punkte und schaffte den Durchmarsch in die Gruppenliga Mitte. Bei 19 Mannschaften gab es natürlich vier Absteiger. Zurück mußten: Staffel (10:62 P.), Hadamar (17:55 P.), Oberbiel und Ahlbach (je 30:42 P.).

In der Saison 66/67 war man dann wieder unter alten Bekannten im Bezirk Wiesbaden. Drei Jahre später errang mit dem RSV Würges zum dritten Male ein Team aus dem Kreis Limburg die Meisterschaft ... Ende

 

Quelle: Werner Golumbeck "Meine Trainerzeit beim SV Elz"

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