Die Jugendabteilung des SV Elz, mit rund 45 aktiven Trainern und Betreuern und mehr als 180 aktive Kindern und Jugendlichen, möchte sich konstruktiv an der Diskussion über die geplanten Strukturreformen im Jugendfußball im Kreis Limburg-Weilburg beteiligen.
Grundsätzlich stehen wir Veränderungen und Reformen im Jugendfußball offen und positiv gegenüber, da gesellschaftliche Entwicklungen (Demografie, wachsende Alternativangebote) und neue wissenschaftliche Erkenntnisse Berücksichtigung finden müssen. Daher sollte gemeinsam eine für alle tragfähige, erträgliche Lösung gefunden werden. Das Modellprojekt ist ein mutiger, aber aus unserer Sicht auch riskanter Versuch, dem demografischen Wandel im ländlichen Raum entgegenzuwirken.
Für uns ist das geplante Modell eher ein: "Eins weniger, ist für die Jugend noch viel weniger".
Die angedachte Reform für die Saison 2026/2027 stellt für alle betroffenen Vereine eine massive Zäsur in der Struktur des Jugendfußballs dar. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Verschiebung der Altersgrenzen um ein volles Jahr nach unten.
Dies hat zur Folge, dass ein gesamter Doppeljahrgang gleichzeitig den Übergang in den Seniorenbereich vollziehen muss, um Platz für die neue Struktur zu schaffen.
Unsere Bedenken und kritische Nachteile:
Aus sportwissenschaftlicher und pädagogischer Betrachtung ist dieses Vorgehen äußerst fragwürdig.
Das Hauptproblem aus unserer Sicht ist der Verlust eines kompletten Entwicklungsjahres für jeden Spieler. Das Modell sieht vor, dass ab Sommer 2026 alle Jugendspieler eine Altersklasse hochrutschen. Dies hat massive entwicklungsbiologische Risiken, insbesondere für spätreife Jugendliche sowie kleinere oder weniger kräftige Spieler.
- Die Gefahr von Überforderung, Verletzungen, Demotivation und einem Rückzug aus dem Fußball ist unseres Erachtens hoch, besonders im pädagogisch problematischen D- bis B-Jugend-Alter.
- Besonders kritisch sehen wir den Übergang der A-Jugendlichen in den Seniorenbereich. Der Jahrgang 2008, eigentlich für 2026/2027 noch A-Jugend-berechtigt, fällt durch die Verjüngung aus dem Raster und muss vorzeitig in den Seniorenbereich aufrücken. Ein 17-jähriger Spieler, der im Herbst geboren ist, könnte gegen gestandene Seniorenspieler (z.B. Jahrgang 1995) physisch stark benachteiligt sein.
- Das Verletzungsrisiko steigt, da die körperliche Entwicklung oft erst mit 19 oder 20 Jahren abgeschlossen ist. Die A-Jugend ist ein wichtiger pädagogischer Puffer; der abrupte Wechsel in das oft als rauer empfundene Seniorenklima kann sensible Spieler abschrecken und zu einer hohen Dropoutrate führen. Die A-Jugend (U19) hat ihren Sinn darin, die biologische Reife abzuwarten. Ein 17-jähriger ist rein statistisch noch nicht bereit für die Belastungen des Männerfußballs.
- Auf sozialer Ebene werden bestehende Mannschaften durch die neue Jahrgangszuteilung zerrissen. Freunde, die bisher zusammenspielten, könnten plötzlich in unterschiedliche Bereiche fallen. Das Aufbrechen bestehender Mannschaftsstrukturen gefährdet Teamidentität und Freundschaften sowie das erhöhte Risiko von Vereinswechseln oder gar Abmeldungen.
- Gerade die älteren Jahrgänge, die es kurzfristig betrifft, sind die, die in den Coronajahren bereits zwei Jahre „normale“ Ausbildung verloren haben, weil kein normaler Trainings-/Spielbetrieb möglich war. Ihnen nun noch ein Jahr wegzunehmen, erachten wir nicht als sinnstiftend. Einmal, weil die Ausbildung dann noch unvollständiger ist und einmal, weil diese Jahrgänge bereits eine erhöhte Dropoutrate aufweisen, die vermutlich durch das Pilotprojekt nochmal erhöht wird.
Wettbewerbsverzerrung und Organisation:
Die Einführung dieses Modells ausschließlich im Fußballkreis Limburg-Weilburg führt zu einer Insellösung und damit zu erheblicher Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Kreisen (z.B. Lahn-Dill, Main-Taunus).
- Probleme bei Freundschaftsspielen, Turnieren, überregionalem Wettbewerb und Vereinswechseln sind vorprogrammiert.
- Die Unplanbarkeit hinsichtlich der Klassen- und/oder Alterszugehörigkeit (Zuordnung) bis Mai führt zu erheblichen strukturellen Problemen für die Vereinsplanung. Viele Vereine müssen klären, wie sie den Jahrgang 2008 auffangen, da dieser offiziell keine A-Jugend mehr spielen darf. Vereine, die mit dem ab Sommer 2026 älteren Jahrgang in der Gruppenliga spielen, verlieren diesen Jahrgang für die nächsthöhere Jugend. Das können nicht alle Vereine abfangen.
- Vereine müssen nun zwei Jahrgänge gleichzeitig in die Senioren integrieren. Das Risiko ist groß, dass Spieler, die nicht sofort für die "Erste" taugen, frustriert aufhören, wenn die "Zweite" sie nicht auffangen kann.
Alternativen und Fazit
Die Zielsetzung der Harmonisierung der Altersstruktur ist zwar begrüßenswert, jedoch halten wir das gewählte Mittel für zu radikal und riskant.
Wir fordern daher dazu auf, das Modellprojekt in dieser Form nicht umzusetzen, da die pädagogischen und sportlichen Nachteile überwiegen.
Das geplante Modell ist organisatorisch vielleicht sinnvoll, um das „Sterben“ von Seniorenmannschaften zu verhindern. Sportfachlich steht es jedoch im krassen Gegensatz zur aktuellen DFB-Philosophie (wie dem Kinderfußball-Konzept oder Playing Down (z.B. NTB-Modell), die den Druck eher herausnehmen möchte und die individuelle Entwicklung in den Vordergrund stellt.
Durch diese nicht gänzlich durchdachte Notoperation am Patienten "Amateurfußball im Kreis LM/WEL" wird man zwar kurzfristig evtl. volle Kader im Seniorenbereich haben, aber langfristig viele Jugendliche durch Überforderung an andere Sportarten verlieren.
Wir hoffen, dass unsere Bedenken und Vorschläge in die weitere Entscheidungsfindung einfließen und wir gemeinsam eine zukunftsfähige Lösung für den Jugendfußball in unserem Kreis finden können.
Jugendabteilung SV Elz


